Der Mountainbike-Sommer ist da: Welche Angebote im Kanton Luzern warten – und welches Projekt gescheitert ist

Vom Entlebuch, über den Sempachersee und Beromünster bis ins Seetal: In diversen Luzerner Gemeinden sollen offiziell ausgeschilderte Mountainbike-Trails entstehen. Wir zeigen Ihnen eine Übersicht.

Ob eine gemütliche Feierabendrunde im nächstgelegenen Wald oder eine ausgedehnte Tour in der Höhe: Verspielte Trails und das sommerliche Wetter locken die Mountainbikerinnen und Mountainbiker wieder in die Berge und Wälder – auch im Kanton Luzern. Offiziell ausgeschilderte Mountainbike-Routen sind zwar nach wie vor noch selten vorhanden, doch auch in Luzern sind die Bemühungen gross, ein grösseres legales Angebot zu schaffen. Das Bedürfnis ist immens: Im Kanton Luzern fahren über 30'000 Personen Mountainbike – gemäss dem Luzerner Waldgesetz ist Mountainbiken im Wald nur auf Waldstrassen, befestigten Waldwegen oder speziell markierten Pisten erlaubt. In unserer Übersicht zeigen wir Ihnen die geplanten Trail-Projekte – und jenes, das gescheitert ist. Die nachfolgende Karte zeigt, wo sich die in diesem Artikel behandelten Trail-Projekte befinden:

 

Neuer Jumptrail auf der Marbachegg

Immer mehr Regionen erkennen das Potenzial vom Mountainbiken. So haben beispielsweise die Sportbahnen Marbachegg in den letzten Jahren stark in die Mountainbike-Infrastruktur investiert. Sie betreiben seit zwei Jahren den 4,6 Kilometer langen Clientis Flowtrail. Er führt von der Marbachegg nach Marbach. Der Trail richtet sich an alle Fahrertypen – schwierige Streckenabschnitte sind markiert und können umfahren werden. Am 3. Juni öffnete der Trail wieder, nachdem der Schnee weg war und Unterhaltsarbeiten auf der Strecke durchgeführt wurden. «Der Trail ist gut besucht, und die Gäste haben eine Menge Spass», schildert Oliver Knüsel von den Sportbahnen Marbachegg seinen Eindruck.

Der 4,6 Kilometer lange Flowtrail auf der Marbachegg ist der längste offizielle Biketrail im Kanton Luzern. / Grafik: Traildevils.ch 

 

Das Angebot auf der Marbachegg wird im Sommer um den CKW-Jumptrail erweitert. Auf einer Streckenlänge von einem Kilometer sollen insbesondere geübte Fahrerinnen und Fahrer auf ihre Kosten kommen – der Trail ist geprägt von vielen Sprüngen. Da sämtliche Jumps in Form von «Tables» gebaut werden, sind sie roll- und springbar – somit werden auch Anfänger nicht ausgeschlossen. Derzeit wird der neue Jumptrail gebaut – der Spatenstich fand am Dienstag statt. Die Eröffnung des Trails ist in den Sommerferien geplant, wie Oliver Knüsel sagt: 

 

«Weil im oberen Streckenabschnitt lange noch Schnee lag, konnten wir erst letzte Woche mit den Bauarbeiten starten.»

Der Spatenstich zum neuen Jumptrail: Martin Knüsel, Geschäftsführer und Präsident der Sportbahnen Marbachegg, Yvonne Bieri Fachspezialistin Sponsoring und Event, Dario Küffer von Mountainbike Zentralschweiz, Ramon Hunziker von Flying Metal GmbH und Landwirt Andy Wyss. / Bild: Dominik Wunderli

Die Bauzeit des Jumptrails betrage zirka zwei Monate – die Arbeiten seien stark vom Wetter abhängig.

 Ein Mountainbiker auf der Marbachegg – der neue Jumptrail wird viele Sprünge beinhalten. / Bild: Dominik Wunderli  

Nach einer sprungreichen Abfahrt können sich die Bikerinnen und Biker mit dem solarbetriebenen Skilift zurück zum Start auf die Marbachegg befördern lassen. Der Jumptrail ist schweizweit der erste Trail, bei dem die Biker mit einem Schlepplift transportiert werden. Das Bikevergnügen auf der Marbachegg kostet 39 Franken pro Person und Tag – inklusive Biketransport. 

 

Bilder: Dominik Wunderli

Pilotbiketrail in Beromünster

2017 wurde das Pilotprojekt «Bikerlenkung Beromünster» von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzerns Lawa, der Gemeinde Beromünster und den lokalen Jagdvertretern lanciert. Der Verein Ortsmarketing 5-sterne-region.ch Beromünster übernahm 2020 die Trägerschaft für das Pilotprojekt. Das Projektteam arbeitet an der Realisierung eines Pilot-Singletrails im Gebiet Neudorf Linde. Der Trail soll durch den Bromen-, Linden- und Herlisbergerwald führen. «Das Ziel, im Sommer 2021 einen legalen, signalisierten und attraktiven Wurzeltrail zu präsentieren, verpassen wir», sagt Projektleiter Roman Schuler. Er ergänzt: 

 

«Die Komplexität des Planungs- und Bewilligungsverfahrens ist höher, als wir es beim Projektstart annehmen konnten.»

 

Bei der konkreten Festlegung des Trailkorridors, die verschiedenen Interessen auf eine Spur zu bringen, ist eine grosse Herausforderung, sagt Schuler. Ein Jagdvertreter im Projektteam hütet auch die Anliegen der Umweltorganisationen. «Wir haben im Gebiet Neudorf-Linde, mit dem wachsenden Sonderwaldreservat und dem Naturschutzgebiet Vogelmoos einen sehr hohen ökologische Standard», erklärt der Projektleiter. Aufgrund dieses hohen Umweltstandards erweise sich die Suche nach einer naturverträglichen Lösung für den Mountainbike-Trail als anspruchsvoll. Das Amt für Landwirtschaft und Wald hat sich im Rahmen einer Vorprüfung des Projekts geäussert. Etwa 50 Prozent der bisherigen Planungslinie erscheint darin bewilligungsfähig, so Schuler. Er ergänzt:  

 

«An den zweiten 50 Prozent müssen wir noch arbeiten, wir sind aber zuversichtlich, auch hier eine gute Lösung entwickeln zu können.»

 

 

Zu klären gelte es unter anderem: Was bedeutet der Begriff «strassennah», wie weit weg von Waldstrassen darf der Trail entfernt sein? Oder wie gross darf der Anteil von dem für Wildtiere wichtigen Waldrand am gesamten Trail haben? Von den Landbesitzern habe man bisher eine grosse Zustimmung erhalten. Im Gegensatz zu den Trails auf der Marbachegg handelt es sich hier um einen Wurzeltrail ohne Steilwandkurven und Schanzen. Die Projektgruppe plant in einer zweiten Projektphase einen Rundkurs rund um Beromünster. Zum Projektstand sagt Schuler:  

 

«Der aktuelle Klärungsprozess mit dem Lawa bringt uns Planungs- und Verfahrensklarheit. Das ist für uns sehr wichtig. Nur so schaffen wir eine konkrete Umsetzung.»

 

Wenn alles planmässig verläuft, kann der Trail im Frühling 2022 eröffnet werden, ist das Projektteam überzeugt. Im Kanton Luzern läuft ein zweites Pilotprojekt – im stadtnahen Bireggwald sollen einzelne legale Trails entstehen. Doch auch in diesem Projekt kam es zu Verzögerungen. Sejana Amir vom Lawa teilt auf Anfrage mit: «Die zuständige Projektgruppe ist am Aufbau einer Trägerschaft mit der Gemeinde Horw, der Stadt Luzern, den Korporationen und Mountainbike Luzern sowie an den Vorabsprachen mit den betroffenen Waldeigentümern. Wir schätzen, dass wir im Herbst neue Details kommunizieren können.» Bis das Pilotprojekt im Bireggwald bewilligt ist, bleibt der Gigeliwald-Trail der einzige legale Trail in der Stadt Luzern.

Biketrails auf dem Lindenberg

Auch auf dem Lindenberg im Luzerner Seetal sollen legale Biketrails entstehen. So lautet ein Ziel des Vereins Sport- und Freizeit-Förderung Lindenberg, der am 11. Juni gegründet wurde.  

 

Die Vorstandsmitglieder des Vereins Sport- und Freizeit-Förderung Lindenberg: Philip Gassner, Lukas Walthert und Patrick Annen. / Bild: PD

Alfons Knüsel ist Gemeindepräsident von Hohenrain und Mitinitiant des Vereins. Er beobachtet, dass zunehmend mehr Mountainbikerinnen und Mountainbiker am Lindenberg unterwegs sind. Er sagt: 

 

«Wir müssen die Bikeströme kanalisieren, damit Menschen und Wild im Wald Platz haben und die Natur sich trotzdem entfalten kann.»

 

Der Verein werde sich mit einer Arbeitsgruppe bemühen, «bestehende Wege offiziell auszuschildern, attraktiv auszubauen und miteinander zu verbinden», erklärt Knüsel. Diverse Wege sollen zudem für Mountainbiker neu angelegt werden. Es seien einige Ideen da, jetzt brauche es Abklärungen mit den Jagdgesellschaften, den Landbesitzern und dem Lawa. Zuerst müsse das Wildvorranggebiet definiert werden, so Knüsel. Er sagt: 

 

«Ich gehe davon aus, dass wir bereits dieses Jahr erste Trails bewilligt bekommen.»

 

Keine ausgeschilderte Strecke durch das Napfgebiet

Ein Beispiel aus dem Luzerner Napfgebiet zeigt, dass legale Mountainbike-Trails einen schweren Stand bei einigen Landbesitzern haben. 2018 wurde das Projekt «E-Bike-Arena Napf» lanciert. Mit diesem sollte sich das Napfgebiet als Mountainbike-Region profilieren. Das Projekt hätte in zwei Etappen umgesetzt werden sollen – eigentlich. Nachdem der erste Projektteil – eine E-Bike-Route rund um den Napf – bereits vor drei Jahren fertiggestellt wurde, scheiterte die zweite Projektphase. 2019 hätte eine ausgeschilderte Mountainbike-Route eröffnet werden sollen. Die Projektträger, Willisau Tourismus und die Rent a Bike AG, mussten nach mehrjährigen Verhandlungen einsehen, dass sich die ausgeschilderte Mountainbike-Route nicht umsetzen lässt. Die Landbesitzer willigten nicht ein. Der Willisauer Stadtpräsident André Marti ist in der Projektleitung der E-Bike-Arena Napf aktiv. Er sagt:

 

«Insgesamt haben die skeptisch eingestellten Landbesitzer die eigenen betrieblichen Überlegungen höher gewichtet als den Nutzen für die Allgemeinheit.»

 

Trotz Bemühungen seien keine sinnvollen Alternativrouten zustande gekommen. Die Landbesitzer hätten befürchtet, dass zusätzliche Verpflichtungen auf sie zukommen könnten. Dass bei einer offiziell ausgeschilderten Strecke mehr Mountainbiker als heute unterwegs gewesen wären, dürfte den Landbesitzern nicht gefallen haben, die den Grundeigentümern angebotene Unterstützung durch Versicherung und bauliche Massnahmen reichte offensichtlich nicht, meint Marti. Für die touristische Entwicklung der Region seien ausgeschilderte Routen wichtig. Marti sagt:

 

«Das Napfgebiet ist ein sehr attraktives Gebiet für Mountainbiker. Wenn dieses Potenzial künftig noch besser und gezielter genutzt werden soll, dann sollten unter anderem auch attraktive Routen bestehen, die aktiv beworben und in Karten, Onlineportalen und Touren-Apps veröffentlicht werden können.»

  

Verein Mountainbike Luzern arbeitet mit lokalen Bikern zusammen

Der Verein Mountainbike Luzern will dafür sorgen, dass solche Projekte künftig nicht mehr scheitern. Der im Februar gegründete Verein will ein flächendeckendes Trailnetz im Kanton. Mountainbike Luzern ist der kantonale Ansprechpartner zu sämtlichen Mountainbike-Fragen. Andy Stalder, Präsident von Mountainbike Luzern, beobachtet, dass immer mehr Bikerinnen und Biker das Bedürfnis haben, ihr Hobby legal ausüben zu können. Dementsprechend seien in den letzten drei Monaten einige Ideen angestossen worden – kommunikationsreif seien die Projekte jedoch noch nicht. Stalder nennt als Beispiel eine geplante Route rund um den Sempachersee. Mit Bikern aus der Region Sempachersee habe der Verein eine Streckenführung erarbeitet. Diese soll am 21. Juni an die Projektleitung, den Regionalen Entwicklungsträger (RET) Sursee-Mittelland, zur Vernehmlassung abgegeben werden. Andy Stalder betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den lokalen Bikern ist:

 

«Wir sind darauf angewiesen, dass die lokalen Biker die Projekte lancieren. Sie kommen mit ihren Anliegen zu uns und wir unterstützen sie in der Umsetzung.»

 

Stalder wünscht sich in Luzern eine ähnliche Vorgehensweise wie im Kanton Bern. Dort nämlich sollen die Mountainbike-Routen den übrigen Velo-Freizeitrouten gleichgestellt werden. Der Kanton soll die Mountainbike-Routen signalisieren und ihren Bau mitfinanzieren. Die Berner Regierung hat eine entsprechende Änderung des Strassengesetzes bis Ende August in die Vernehmlassung geschickt.

 

 

Neue Bikegenossenschaft für die Zentralschweiz

 Seit letzter Woche hat die Zentralschweiz eine Bikegenossenschaft. Die vielseitige Bikeregion Zentralschweiz tritt neu als Bikegenossenschaft mit der Marke «Bikegenoss» und «Bikegenossin» am Markt auf, schrieb Schwyz Tourismus in einer Mitteilung.

 

 

 

Die Zentralschweiz soll zu einer der attraktivsten Bikeregionen der Schweiz werden. / Bild: PD

 

 

Entstanden ist die Bikegenossenschaft aus dem Projekt Mountainbike Zentralschweiz – dieses wird von der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP), von Kantonen, Gemeinden und Tourismusorganisationen unterstützt. Auf der Website www.bikegenoss.ch findet man Tourenvorschläge, Bikequides und Bikehotels. Bikegenossinnen» und «Bikegenossen» arbeiten über Orts- und Kantonsgrenzen hinaus genossenschaftlich zusammen, um den Gästen ein attraktives Bike-Erlebnis zu ermöglichen, heisst es in der Mitteilung. Zum Beispiel würden Bikehotels miteinander überregionale Angebote inklusive Gepäcktransport und Miet-Material anbieten.

 

Der Verhaltenskodex für Mountainbiker

 

Mountainbiker sind nicht überall gern gesehene Gäste – Konflikte zwischen Bikern und Wanderern existieren. Solange bewilligte Trails im Kanton Luzern fehlen, müssen Biker und Wanderer aneinander vorbeikommen. Die grossen Mountainbike-Destinationen in der Schweiz machen es vor: Ein tolerantes Miteinander funktioniert. «In Graubünden – dem Home of Trails – ist fast jeder Weg ein Biketrail», wirbt etwa Graubünden Ferien auf ihrer Internetseite. Um das tolerante Miteinander auch auf den Wanderwegen im Kanton Luzern zu fördern, haben die Unesco Biosphäre Entlebuch einen Verhaltenskodex für Mountainbiker erarbeitet: